Der Preis ist heiss

Jeder Züchter kennt sie, die Anrufe von Kitten-Interessenten, die auf der Suche nach dem ultimativen Schnäppchen sind. In der Regel läuft so eine Anfrage immer gleich ab:“Haben Sie noch Kätzchen und was kosten die bei Ihnen?“.

Nachdem der Züchter den Preis genannt hat wird das Gespräch seitens Interessent rasch beendet. Man müsse nun mit dem Partner/der Familie sprechen und melde sich wieder. Hören tut man von ihnen aber freilich nichts mehr denn man hat sich eine Reihe Züchter der gewünschten Rasse rausgesucht und sich fleissig durchgefragt. Den Zuschlag erhält der „billigste“ Züchter denn man ist ja nicht blöd, den doppelten oder dreifachen Preis zu bezahlen.

In der Vergangenheit habe ich mir oft die Mühe gemacht und den Schnäppchenjägern versucht zu erklären, warum eine echte Rassekatze so „teuer“ ist. Jedoch will der Großteil nichts davon hören denn das Thema ist bereits erledigt. Verlorene Liebesmüh also und am Ende ärgert man sich ja doch wieder weil man das, was man so sortfältig durchdacht und liebevoll großgezogen hat, rechtfertigen soll.

Man will eine Rasskatze haben, ist aber nicht bereit, den Preis zu bezahlen. Und wenn man sich durch diverse Vermittlungsseiten klickt wird einem auch schnell klar, wo der Bartl den Most holt: Die Schwarzzucht von „Rassekatzen“ boomt!

Als Schwarzzüchter bezeichnet man Menschen, die ohne Vereinszugehörigkeit Katzen (teils mit und teils ohne Stammbaum) verpaaren und diese dann als Rassekatzen verkaufen. Sie mögen zwar bestensfalls aussehen wie Rassekatzen, in Wahrheit sind es aber Mischlinge. Die Abstammung kann nämlich ohne Stammbaum nicht garantiert werden.

Die Preise für „Rassekatzen“ vom Schwarzzüchter sind wirklich top und so mancher Interessent wird verzückt in die Hände klatschen. Um nur eines von vielen Beispielen zu nennen: Ein Britisch Kurzhaar-Kätzchen wird für 350,00 Euro angeboten. Es ist natürlich reinrassig aber Stammbaum hat es keinen. Wieso? Weil ja die Eltern einen haben und die sind natürlich typvoll und gesund.

Angeblich sind die Kitten auch geimpft und entwurmt und sowieso super sozialisiert und stubenrein. Und damit man es daheim besser eingewöhnen kann ist es erst 8 Wochen alt oder jünger und somit anpassungsfähiger als der Rest. Was will man also mehr?

Während sich der Interessent also gerade über dieses Schnäppchen freut läuft die Rechnung aber weiter. Denn ein 8 Wochen altes Kätzchen ist noch gar nicht grundimmunisiert und muss ein zweites Mal geimpft werden. Einen Micro-Chip sollte es auch bekommen und irgendwann soll es auch kastriert werden. Wir sind bei einem Kater dann also schon auf ca. 460,00 und bei einer Kätzin auf ca. 510,00.

Man hat also rund 500,00 für eine „Rassekatze“ ohne Stammbaum bezahlt. Ein stolzer Preis für einen Mischling.

Und was ist nun, wenn das Kätzchen krank wird weil der Schwarzzüchter nicht nur in der Anschaffung der Zuchttiere sparen wollte sondern auch in der Gesundheitsvorsorge? Eine Durchfallerkrankung oder ein Schnupfen schlägt sich beim Tierarzt gut und gerne mit 150,00 zu buche.

Wir sind also bereits bei 650,00 angelagt und immer noch handelt es sich um ein Mischlingskätzchen.

Bestensfalls ist der Spuk nach einem Besuch beim Tierarzt vorbei. Aber was passiert, wenn das Kätzchen nicht gesund werden will und im Laufe der Zeit weitere Erkrankungen auftreten, die behandelt werden müssen?

Ein Schwarzzüchter ist nämlich nicht daran interessiert, seine Zuchttiere auf diverse Infektions- und Erbkrankheiten testen zu lassen. Wo bleibt denn da der Gewinn?

Wie diese Rechnung weitergeht können Sie sich nun vielleicht besser vorstellen. Egal was dabei rauskommt, unterm Strich sind die Leidtragenden zuerst die armen Tiere, die viel zu früh von ihrer Mutter getrennt wurden und damit keine Chance mehr haben, von ihr zu lernen und umsorgt zu werden. Die bleibenden „Schäden“ werden Sie später daran erinnern.

Was Ihr Börserl betrifft so wird es Sie vielleicht interessieren, dass der Schwarzzüchter bei einem Verkaufspreis von 350,00 gute 290,00 Euro verdient. Er muss lediglich für eine Impfung, eine Wurmtablette und 3-4 Wochen Futter aufkommen. Wobei weiters schwer bezweiflelt werden darf, dass ein Schwarzzüchter darauf achtet, seine Zuchtkatzen und deren Kitten gesund und hochwertig zu ernähren. Wieso auch? Kostet ja wieder Geld.

Sie sehen also anhand dieses Beispiels dass es sich nicht wirklich lohnt, in der Anschaffung eines Lebewesens zu sparen und es hat meiner Meinung nach einen sehr bitteren Beigeschmack, wenn ein zukünftiges Familienmitglied nicht viel kosten darf.

Bedenken Sie also: Was billig angeboten wird kann nur billig produziert worden sein!

In diesem Sinne lege ich Ihnen nahe, sich nach einem seriösen Züchter MIT Vereinszugehörigkeit in Ihrer Umgebung umzusehen, der mehr zu bieten hat als billige Schnäppchen.

Denken Sie darüber nach, Sie werden es nicht bereuen!

Ein Kommentar zu Der Preis ist heiss

  1. lackner petrina sagt:

    Ich DANKE ihnen für dieses tolle Statement(der Preis ist heiss). Sie sprechen mir aus der Seele. Schön, dass es solche Gedanken noch gibt. Wenn man sich für eine Rassekatze entscheidet soll mann wirklich nicht schauen wo man billig eine bekommt. Habe ihre Tiere heute auf der Messe gesehen und war begeistert. Wir haben uns auch vor drei Jahren in einen britisch Kurzhaarkater verliebt. Unser Dagobert bereitet uns viel Freude. Wir sind nun am überlegen noch einen Mitbewohner bei uns aufzunehmen. Wenn wir uns entschieden haben weiss ich auf jeden Fall an wen ich mich wenden werde. Liebe Grüße aus Graz Petrina&Dagobert

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